Neujahrskarten 2010

Da im Zuge von E-Mail, SMS und Rezession Neujahrskarten zu verschwinden drohen, haben sich einige AnhängerInnen der spitzen Feder besorgt zusammengetan. Durch das 2003 gegründete Kollektiv zur Rettung der Neujahrskarten werden Personen, Firmen, Behörden oder Organisationen, welche sich im auslaufenden Jahr speziell in der Region Bremgarten kulturell oder politisch engagiert haben, für ihren Einsatz beglückwünscht und mit den besten Wünschen für das neue Jahr versehen.

Kommentare zu Aktuellem aus der Region Bremgarten
Neu: Offiziell versandte Neujahrskarten 2010 (diese Seite)
Offiziell versandte Neujahrskarten 2009
Offiziell versandte Neujahrskarten 2008
Offiziell versandte Neujahrskarten 2007
Neujahrskarten-Spezial 2006
Offiziell versandte Neujahrskarten 2005
Offiziell versandte Neujahrskarten 2004


Zivi, niggi, näggi
Zivi, niggi, näggi

Seit dem Wegfallen des bösen Feindes (und der Zivilschutzreform) sucht auch die ZSO Mittleres Reusstal erfolgreich nach neuen Aufgaben resp. nimmt sie dankend an. Unter dem Stichwort "Einsätze zugunsten der Gemeinschaft" werden Märkte, Feste und Gewerbeausstellungen auf- und abgebaut, Christbäume geschmückt, an Wochenenden der Verkehr geregelt und die Getränke-Logistik für Feste übernommen. Ende 2008 kann die Organisation stolz verkünden, dass die Hälfte der Manntage allein für das Musikalissimo geleistet worden sind.

Was das mit dem Schutz der Zivilbevölkerung zu tun hat, bleibt etwas nebulös. Die Kriterien für die Auswahl der Einsätze ebenfalls. Fast wünscht Mann sich da die guten alten Zeiten zurück, wo hauptsächlich Schutzraum-Betten zusammengenagelt und am Ende des Kurses wieder auseinandergenommen worden sind.

Konsequenterweise bleiben auch die Kosten ziemlich im Dunkeln. Klar ist immerhin, dass der Zivilschutz die Schweizerische Erwerbsersatzordnung pro Jahr rund 45 Millionen Franken kostet - ein Schnäppchen in Zeiten wo andere Auslaufmodelle mit Milliarden gestützt werden.


Fahrräder
Pro Jahr nur acht Tote mit der Dienstwaffe

André Blattmann, der gegenwärtige Chef der Schweizer Armee, ist nicht zu beneiden. Das Wirken seiner direkten oder indirekten Vorgänger muss sich gewiss einfacher gestaltet haben. Flossen doch die Geldmittel beinahe unbeschränkt, und Kanonen, Panzer wie auch Fahrräder konnten Richtung Osten ausgerichtet werden. Mit dem Wegfall des roten Gespensts hat sich die Situation jedoch ein wenig verkompliziert. Kann mangels strategischem Feind gar von einer veritablen Existenzkrise der Armee gesprochen werden?

Nein, indem der Feind vermehrt im Landesinnern ausgemacht wird, besinnt sich die ehemals heilige Kuh Helvetiens eines traditionellen Einsatzgebiets. Waren es 1918 die streikenden Arbeiter, sind es heute gemäss Medienberichten Zivildienstleistende, MigrantInnen oder die demographische Entwicklung der Schweiz, die als Bedrohung wahrgenommen werden.

Gespannt darf der Ausgang dieser Gefechte erwartet werden. Vor möglichen Opfern scheint die Armee jedenfalls nicht zurückzuschrecken. Oder wie sollte die Äusserung des gegenwärtigen Armeechefs anlässlich der 84. Generalversammlung der Offiziersgesellschaft Freiamt sonst verstanden werden? Als dieser es als Widersinn bezeichnete, die Ordonanzwaffe nicht mehr nach Hause nehmen zu dürfen, würden doch im Aargau damit jährlich nur acht Menschen erschossen.

Bremgarter Bezirks-Anzeiger (9.6.2009): Demografie macht Sorgen   -   Bild: Philippe Schranz


Vergnügungspark
Von Fusionen und einem Vergnügungspark

In den vielen Jahren als Stadtrat und den vier Jahren als Stadtammann hat sich Robert Bamert nie für eine persönliche Neujahrskarte aufgedrängt. Zwar war er an einigen von uns prämierten Bauwerken und Entscheidungen in Form von Bewilligungen und Ähnlichem beteiligt, musste sich aber die Prämie immer teilen. Kurz vor dem Rücktritt aus der Stadtregierung hat er es nun mit seinen Gedanken in den Bremgarter Neujahrsblättern doch noch geschafft. Gratulation!

Er sinniert in diesem Schreiben über die Zukunft Bremgartens und sieht Grosses auf das Reussstädtchen zukommen: Bis 2050 soll es zu Fusionen mit allen umliegenden Gemeinden kommen, und Bremgarten würde dann 25´000 Einwohner zählen. Nachdem die Annäherung zu Hermetschwil-Staffeln so reibungslos und ohne Misstöne abläuft, warten die anderen Nachbargemeinden bestimmt schon ganz ungeduldig auf die Fusionseinladung aus Bremgarten.

Was uns aber besonders überzeugt hat, ist, dass er als ehemaliger Berufssoldat die Armee in Zukunft auch nicht mehr als nötig erachtet. Der Traum vom grössten Vergnügungspark der Schweiz auf dem Gelände des Waffenplatzes kann ja nur bedeuten, dass sich die Armee in Bälde aus Bremgarten zurückziehen wird. Oder sollen die Armeeangehörigen als Glacéverkäufer oder Ticketkontrolleur endlich einer sinnvolleren Beschäftigung nachgehen als inexistente Feinde zu bekämpfen?


Stopp
Radikalisieren statt integrieren

Das Jahr 2009 stand bei Herr Glarner ganz im Zeichen contra Islam. Nachdem dank den Grossratswahlen im Frühjahr (und natürlich dank Maria) die Einführung der Scharia gerade noch einmal verhindert werden konnte, zeigte er noch mehr Engagement bei der Anti-Minarett-Initiative. Bestimmt bedeutet die Verhinderung seines TV-Spots1 durch das (humorlose) Bakom einen grossen Verlust für unser Vaterland, aber umso grösser dürfte die Freude gewesen sein, als die Initiative dann überraschend angenommen wurde. Die gar nicht so zentrale Frage um nicht gebaute Türme hat eine richtiggehende Anti-Islamdebatte ausgelöst, dank welcher die von der SVP vielzitierten Hassprediger und Fundamentalisten nun auf regen Zulauf hoffen dürfen.

Gestärkt durch den Ausgang der Abstimmung wagt Herr Glarner nun den Schritt ins nahe Ausland und tritt der wegen Verdachts auf Rechtsextremismus unter Beobachtung des Verfassungsschutzes NRW stehenden Bürgerbewegung pro Köln bei.2 Der Vorsitzende Markus Beisicht, der in Vergangenheit ein Kopfgeld auf eine untergetauchte Asylbewerberin ausgesetzt hatte und sich auch nicht zu Schade dafür war, den "Hitler von Köln"3/4 vor Gericht zu vertreten, hat nicht mit Lob gespart als er Glarners Beitritt einem Ritterschlag gleichsetzte und ihn quasi als den neuen Willhelm Tell adelte.

Dieses wiederholte Manöver nach Rechts könnte aber in einer Sackgasse enden. Denn Ist es nicht etwas gar braunäugig, diese neuen Weggefährten nicht als rechtsextrem einzustufen? Der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli und Fraktionspräsident der SVP Aargau hat nämlich behauptet, nichts von diesen Vorwürfen gewusst zu haben und versprochen, unverzüglich wieder auszutreten, sobald er "rechtsextreme Umtriebe" feststellt.


Ausführungen zu "Radikalisieren statt integrieren"

In der militanten Neonaziszene sieht man in Pro Köln die Möglichkeit, faschistische Ideen an die bürgerliche "Mitte" heranzutragen. So schrieb beispielsweise der wegen Volksverhetzung in Haft sitzende Neonazi Axel Reitz in seinem Aufruf zur Kölner Kommunalwahl vom 26. September 2004: "Pro Köln vertritt viele unserer Forderungen und ist imstande, diese inmitten der Gesellschaft zu verankern und hoffähig zu machen, [!] zumal führende Funktionäre dieser Partei offene Sympathien für uns und unsere Bewegung hegen."